Alpbach-Blog
  • 23. Juli 2018

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Notizen zum Forum Alpbach #EFA15

UnGleichheit steht im Mittelpunkt der 70. Auflage des Europäischen Forums Alpbach. Wir begleiten die "Festspiele des Denkens" mit diesem Blog - und Interviews, Analysen und Reportagen im Alpbach-Dossier.

    Kamingespräche sind für Stipendaten eine der Höhepunkte des Forums. Sie sind meist spontan organisiert, in informellem Rahmen und bieten viel mehr Zeit als Panels, um Fragen zu stellen.
    Das Gespräch mit Jeffrey Sachs ist deshalb außergewöhnlich, weil sein Anzughosenboden in der Wiese statt in einem Fauteuil landet. Auf der idyllischen "Wiese der Denker" spielt der US-amerikanische Ökonom unauffällig mit einer Kleeblüte und lässt sich dabei in aller Ruhe mit Fragen bombardieren. Vom chinesischen Finanzmarkt über UN-Entwicklungsziele bis zu den Tücken Wall Streets war alles dabei.
    (c) Julia Mathe
    (c) Julia Mathe
     
     

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    Watch the opening of the #efa15 Political Symposium by @politicalbeauty via livestream (2pm): alpbach.streaming.at/live/2015/



    Es ist Sonntag, doch das Forum kennt kein Wochenende.
    Die Diskussion „Ukraine: Media images versus real life“ ist interessant aber einseitig.

    Oleksandr Sherba, ukrainischer
    Botschafter in Österreich, verurteilt das von Russland transportierte Bild der « Nazi-Ukraine » und glaubt nicht, dass die Krim langfristig in russischen Händen bleiben wird: „Der Diebstahl der Krim ist wie Handydiebstahl.
    Es funktioniert, bis der Akku leer ist. Dann braucht man ein Ladegerät, und das befindet sich in der Ukraine, nicht in Russland.
    Zwei ukrainische Studenten, die beide ihre Heimat in
    Donezbecken und Krim verlassen mussten, erzählen ihre bedrückenden Geschichten und untermauern dadurch die Thesen Sherbas.

    Allein Journalist Christian
    Wehrschütz ist anderer Meinung: Er betont, dass auch die Ukraine gegen humanitäres Völkerrecht verstoßen habe und glaubt, Regionen wie Luhansk würden langsam, aber sicher in den russischen Wirtschaftsraum integriert werden.


    Organisiert von der Initiativgruppe Kiew dreht sich diese Diskussion um alles,
    nur nicht um das vorgegebene Thema: Die Rolle der Medien. Schade ist außerdem, dass die Rollen am Podium so ungleich verteilt sind. Ein russischer Vertreter am Podium wäre ein starkes Zeichen gewesen.

    Wehrschütz (rechts außen) ist mit Sherba (links außen) nicht d'accord.

    Eine Ein-Mann-Brauerei auf Erfolgskurs - Wiener Zeitung Online

    AlpbachSeit neun Jahren braut Josef Moser aus Inneralpbach Bier. Vom Brauen, zum Flaschendesign bis hin zum Betrieb – der 53-Jährige betreibt eine...
    Dance, Alpbach! Eine lange und interessante Woche endete gestern mit dem Auftritt der ukrainischen Band Los Colorados, bekannt geworden durch ein Cover von Katy Perrys  "Hot n Cold". Das Forum reagierte begeistert, Menschen in faltenlosen Anzügen und Kostümen streiften ihre Schuhe ab und tanzten und grölten dann laut zur Colorados-Version von "I Love Rock 'n' Roll" mit. Ich glaube, jetzt haben wir dann fast alles gesehen. 


    "Wir wissen, wie wir zum Mond fliegen können. Aber wie wir mit Hass oder Neid umgehen können, wissen wir nicht", sagt Autorin Beate Winkler bei der Präsentation ihrers neuen Buches "Unsere Chance - Mut, Handeln und Visionen in der Krise". Sie meint , wir befänden uns aufgrund der Fülle an politischen und wirtschaftlichen Krisen in einer Identitätskrise, in der es uns an Visionen fehle. Die Angst lähme uns, doch eigentlich sollte sie uns zum Handeln bewegen. Mit ihrem neuen Buch will sie zum Umdenken anregen. Das allbekannte Zitat "ich denke, also bin ich" ist für sie unvollständig, weil es nur rationale Gedanken, nicht aber Gefühle umfasst. Es müsse schon im Kindergarten offen mit Emotionen umgegangen werden, bevor diese von radikalen Bewegungen instrumentalisiert werden können, sagt sie.

    Erhard Busek, ehemaliger Vizekanzler und Ehrenpräsident des Forums, hält das Buch für ein sehr wichtiges: "Es wäre schon lange notwendig, dass die Politik einen Realitätscheck vornimmt. Dieses Buch tut das." Wir sind gespannt.

    (c) Julia Mathe


    Dorftratsch.

    Seit dem Startschuss
    der politischen Gespräche ist nicht nur die BMW-Dichte gestiegen, sondern auch der Unterhaltungswert der Kommentare auf Twitter.
    Schwärmte man bisher von Balkonblumen und Tiroler Gröstl, kann man nun endlich über etwas zwitschern, was sich auch bewegt: Über Politiker und andere Berühmtheiten nämlich.

    Jedes Wimpernzucken wird von den Forumsteilnehmern beobachtet und analysiert. Die Rede ist zum Beispiel vom US-amerikanischen Ökonom Jeffrey Sachs, der des Öfteren Ortsfremde durch Alpbach führt, als wäre er selbst einheimisch. Er solle doch gleich als Reiseführer hierbleiben, heißt es. Weniger charmant ist man Verteidigungsminister Gerald Klug gegenüber, dessen Englisch angeblich an die Sprachfertigkeiten Arnold Schwarzeneggers erinnert. Das verkraftet man gerade noch, aber warum zum Teufel streichelt Kristalina Georgieva, Vizepräsidentin der EU-Kommission, den Arm des EU-Botschafters Thomas Mayr-Harting? Noch dazu mitten am Podium? Rätsel wie diese bleiben selbst auf Twitter ungelöst.

    Sieht man sich die ernsten Zwitschereien an, hat man sich besonders über die Reaktion des deutschen Außenministers Martin Roth gefreut, als er mit seinen Diskussionspartnerinnen bekannt gemacht wurde: „Ich bin der einzige Mann am Podium. Traumhaft!“ Doch am öftesten zitiert wurde eindeutig Forumspräsident Franz Fischler, der in seiner Eröffnungsrede die politische Situation folgendermaßen kommentierte: „Wir sind in einer Solidaritätskrise, nicht in einer Flüchtlingskrise.

    "Frische Milch! Gratis frische Milch!", schreit die Dorfjugend und läuft so aufgeregt durcheinander, als wäre Weihnachten in den Spätsommer verlegt worden. Heidi reloaded, sag ich nur.
    (c) Julia Mathe


    Das heutige Abendzuckerl kommt von Guy Cecil, einem der führenden politischen Strategen in den USA, der momentan auch Hillary Clinton bei ihrer Kampagne für die US-Präsidentschaftswahlen unterstützt. Wir haben ihn vieles gefragt, das ihr demnächst in der Wiener Zeitung lesen könnt. Heute gibt es noch einen Buchtipp von ihm:

    "Behind the beautiful forevers" ist ein Buch von einer Frau namens Katherine Boo. Es ist eine Geschichte über das Leben und Sterben in den Slums Indiens und es ist in einer Art geschrieben, die fast an einen Roman erinnert. Es gibt auch eine großartige Website mit Videos von all den Leuten, über die sie schreibt. Es zeigt ein Leben und eine Existenz, zu dem viele von uns in den USA und wahrscheinlich auch eine Menge Leute in Österreich keine persönliche Verbindung hat. Es ist ein sehr gutes Buch.






    (c) Teresa Reiter 




    Die Feschionistas von Alpbach auf dem Weg zur Kirche. In Dresscode-Fragen wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an diese beiden Damen. 

    (c) Teresa Reiter 


    Die Eröffnung der Wirtschaftsgespräche mit Rudi Kaske (Präsident der Österreichischen Arbeiterkammer), Claus Raidl (Österreichische Nationalbank) und Christoph Leitl (Präsident der Österreichischen Wirtschaftskammer) beginnt. Forumshund Franz Joseph is not impressed. #dogcontent


    (c) Teresa Reiter 


    "Ihr könnt mit euren Anliegen und Problemen immer zu mir kommen, meine Damen"
    sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl bei seiner Eröffnungsrede der Ladies Lounge. Wir seien ein unverzichtbarer, wertvoller Teil der WKO-Familie, meint er. Es scheint, als könne er dem inneren Drang, dem zu 80% weiblichen Publikum die Köpfe zu tätscheln, nur mit großer Selbstdisziplin widerstehen. Es gebe ja so viele tüchtige Unternehmerinnen, da brauche man keine Frauenquote, schließt er das ihm lästige Thema ab und wechselt zusammenhanglos zu seinen Lieblingsthemen Erbschaftssteuer und Arbeitsnebenkosten.

    Der Sekt Rosé ist getrunken, das Wirtschaftskammer-Plakat mit retuschierter, glücklicher Karrieredame perfekt positioniert - Ladies Lounge halt. Moderatorin Andrea Lehky, Presse-Redakteurin, eröffnet die Diskussion mit der Frage, ob Frauen wirklich ungeschminkt und in Säcke gekleidet zur Arbeit gehen müssten, um von Männern Ernst genommen zu werden. Da wissen selbst die Konservativsten am Podium nichts zu sagen außer: "Äh, nein."

    Gut. Nächste Frage. Warum Frauen weniger Toppositionen erhielten als Männer? "Es ist wohl genetisch bedingt, dass Frauen länger überlegen, bevor sie ein Jobangebot in Führungsposition annehmen, als das Männer tun", ist Remus-Geschäftsführerin Angelika Kresch überzeugt. Nicht nur das Publikum, sondern auch Edeltraud Hanappi-Egger, Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien, können sich das Lachen nicht zurückhalten.

    Zur großen Verzweiflung der Moderatorin, die sich genervt erhebt und zum Publikum wendet: "Jetzt lacht die junge Generation, aber wartet nur ab und schaut dann in 20 Jahren, wie viele von euch es nach oben geschafft haben!" Beschwert sich das Publikum, es möchte endlich neue Lösungsansätze hören, meint Adelheid Moretti von "Frau in der Wirtschaft", das Pensionsalter müsse angehoben werden, weil der letzte Karrieresprung meist zwischen 60 und 65 passiere. Moderatorin Lehky hat einen besonders wertvollen Ratschlag parat: "Wir müssen einfach kämpfen, kämpfen, kämpfen!" Aha. Und das wars auch schon vom kläglichen Versuch der Wirtschaftskammer, Frauen von sich zu überzeugen.

    (c) Julia Mathe


    Gestern kehrte dann endlich das normale Forumswetter ein und die Aliens landeten, um an den Wirtschaftsgesprächen teilzunehmen. 

    Forum bei Nacht und Wolkenbruch. (c) Teresa Reiter 




    "Was is, geh ma auf an Heuschreck", sagt man auch nicht jeden Tag. Die furchtlosen Redakteurinnen der Wiener Zeitung haben sich heute genau mit diesem Plan ins stillgelegte Alpbacher Hallenbad gewagt, wo der Verein Speiseplan Insekten aufkochte. Die Neugier besiegt das Grausen - wir kosten uns also durch. Hier die Liste unserer Erkenntnisse:

    1)
    Mehlwurm-Basilikumpesto schmeckt wie Basilikumpesto. Man erwartet mehr Mehlwurmgeschmack, obwohl man keine Ahnung hat, was das sein soll. "Das ist eh nur die Einstiegsdroge", erklärt Koch Willi. Wertung: Unaufregend, aber gut.

    2) Getrocknete Mehlwürmer assoziieren wir mit Erdnusssnips gekreuzt mit Croutons. Aber so stark gewürzt schmeckt wohl auch Papier ganz in Ordnung.

    3) Die Heuschrecken-Grillen-Pfanne war das Highlight der Verkostung. Koch Willi riet uns, uns von hell nach dunkel durchzuarbeiten, weil die schwarzen Grillen besonders nach Insekt schmecken. Das können wir bestätigen und träumen schon von knusprigen Heuschrecken auf Blattsalat mit Feta-Käse und Oliven.

    4) Wachsmotten, wahlweise in Schmalz oder Hollersirup, schmecken entweder schmalzig oder runden den Insektenschmaus würdig ab.

    Das Ganze befindet sich in Österreich übrigens im rechtlichen Graubereich: Insektengastronomie ist weder erlaubt, noch verboten. Ein teurer Spaß ist es auch, denn ein Kilo österreichische Heuschrecken kostet momentan um die 300€. Ein neues Fremdwort haben wir auch noch dazugelernt: Der Verzehr von Insekten nennt sich Entomophagie. Hier ein paar Beweisfotos, sonst glaub uns das ja keiner:

    Heuschrecken-Grillen-Pfanne. Kollegin Reiter riet, vorher die Beine auszureißen, weil sie sich im Hals wie Gräten anfühlen.

    Knusprige Mehlwürmer mit Mehlwurmpesto. Das Mehlwurmmehl hat es leider nicht aufs Foto geschafft (ja, das gibt es wirklich).

    Schmalzige Wachsmotten schmecken doch etwas besser, als sie aussehen. Ehrlich.

     Text-Bild-Schere.



    Koch Willi reicht den Mottengang, als wär alles ganz normal.

    Redakteurin Teresa Reiter ist sichtlich überzeugt.

    Und alle anderen auch.

    "Alle Politiker sind Verbrecher" - Wiener Zeitung Online

    AlpbachAlpbach. "Politiker sind Verbrecher, weil sie durch das, was sie tun Klimawandel verursachen und in Folge auch zum Massensterben aller Lebensformen beitragen"...
    Was eine Modeschöpferin bei den Finanzmarktgesprächen zu suchen hat.

    Wenn Vivienne Westwood das Podium betritt, tut sich was in der grauen Anzugwelt der Finanzfreunde.
    Das extravagante Kleid tritt in den Hintergrund, sobald ihre Kniestrümpfe mit der Aufschrift "Revolution" hervorblitzen. Als Aktivistin beschäftigt sich Westwood mit Politik, Umweltschutz und Migration. Unsere drei Lieblingszitate:

    "Ich habe eine Kampagne, und die nennt sich 'Alle Politiker sind Kriminelle'-Kampagn
    e." Westwood ist 74 Jahre alt, hat aber die aktivistische Energie einer 20-Jährigen.

    "Banker sind das gesichtslose Böse." Das Publikum lacht. Ob die ganzen Banker im Publikum über sich selbst lachen oder der unschuldige Rest über die Banker, lässt sich leider nicht eruieren.

    "Etwas hat sich in Bewegung gesetzt. Und wenn wir das nicht stoppen, werden wir alle zu Migranten werden." So verwischt sie die Grenzen zwischen "uns" und "den Migranten".

    Mehr dazu lest ihr im unten verlinkten Artikel. Das Team der Wiener Zeitung ist nun leider auf Abreise und wird sein Bestes geben, sich nach wochenlanger Dorfidylle wieder in Wien und seine Hektik zu integrieren.
    (c) Julia Mathe
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